Ein Kre­dit in der Elternzeit

Zahlt der Arbeit­ge­ber in der Eltern­zeit kein Weih­nachts­geld, ver­stößt das weder gegen den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz noch gegen das euro­pa­recht­li­che Lohn­gleich­heits­ge­bot für Män­ner und Frau­en1. Genau­so­we­nig ver­bie­tet es das Euro­päi­sche Gemein­schafts­recht, dass der Arbeit­ge­ber bei der Bemes­sung von Son­der­zu­wen­dun­gen Zei­ten der Eltern­zeit antei­lig leis­tungs­min­dernd berück­sich­tigt2. Dar­über hin­aus hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt bereits 1995 ent­schie­den, dass für Zei­ten, in denen das Arbeits­ver­hält­nis wegen Erzie­hungs­ur­laubs ruht, dann kein antei­li­ger Anspruch auf das „13. Monats­ge­halt” besteht, wenn sich aus dem Arbeits­ver­trag ergibt, dass es sich bei der Zah­lung um einen Teil der im Aus­tausch­ver­hält­nis zur Arbeits­leis­tung ste­hen­den Ver­gü­tung han­delt3.

Da Kin­der nicht nur Freu­de berei­ten, son­dern auch eine zusätz­li­che finan­zi­el­le Belas­tung dar­stel­len, kann sich durch den Weg­fall des Weih­nachts­gel­des schnell die Finanz­la­ge einer klei­nen Fami­lie ändern. Beson­ders wenn die­se Son­der­zah­lung bereits fest ein­ge­plant gewe­sen ist. Fal­len dann zum Jah­res­be­ginn noch die übli­chen Jah­res­bei­trä­ge und Neben­kos­ten­ab­rech­nun­gen an, kann das Kon­to schnell ins Minus rutschen.

Die Lösung ist meis­tens die Bean­tra­gung eines Kre­dits. Doch die­ser ist regel­mä­ßig an bestimm­te Bedin­gun­gen geknüpft. Neben einer posi­ti­ven Schufa-Aus­kunft wird meist ein gere­gel­tes Ein­kom­men und dar­über hin­aus ein unbe­fris­te­ter Arbeits­ver­trag ver­langt. Befin­det man sich jedoch in Eltern­zeit, heißt das, wäh­rend die­ser Zeit kein Gehalt vom Arbeit­ge­ber zu bekom­men. Es besteht aber ein Anspruch auf Eltern­geld, dass zwi­schen 65 und 67 % des durch­schnitt­li­chen Ein­kom­mens erset­zen kann. Lei­der ist es frag­lich, ob eine Bank die­se Zah­lung als regel­mä­ßi­ges Ein­kom­men ansieht. Wie hier im Forum dis­ku­tiert wird, ist das häu­fig nicht der Fall.

  • Sind nicht bei­de Eltern­tei­le in Eltern­zeit, soll­te die Per­son, die einer regel­mä­ßi­gen Beschäf­ti­gung nach­geht, den Kre­dit bei der Bank bean­tra­gen. So las­sen sich Schwie­rig­kei­ten bei der Bewil­li­gung umgehen.
  • Außer­dem steht es jedem offen, neben der eige­nen Haus­bank auch bei ande­ren Ban­ken nach einem Kre­dit zu fra­gen. Durch einen ers­ten Miss­erfolg muss man sich nicht ent­mu­ti­gen lassen.
  • Han­delt es sich um kei­ne hohe Sum­me, son­dern eher um einen klei­nen Geld­be­trag, der benö­tigt wird, besteht die Mög­lich­keit, bei der Bank einen Raten­kre­dit oder auch einen Klein­kre­dit zu beantragen.
  • Wird in der Eltern­zeit noch einer Arbeit nach­ge­gan­gen, hängt es von die­sem Gehalt ab, ob die Bank einen Raten­kre­dit bewilligt.
  • Fehlt ein sol­ches Ein­kom­men, ist unter Umstän­den auch ein Klein­kre­dit mög­lich, wenn nach der Eltern­zeit eine fes­te Beschäf­ti­gung besteht. Auf­grund der gerin­gen Geld­sum­me wird dann eine sehr kur­ze Lauf­zeit zur Abzah­lung des Klein­kre­dits vereinbart.
  • Eine ande­re Alter­na­ti­ve stellt auch ein Pri­vat­kre­dit dar. Hier bewil­li­gen pri­va­te Per­so­nen eine Kre­dit­sum­me, die mit ver­gleichs­wei­se höhe­ren Zin­sen zurück­ge­zahlt wer­den muss.

Also ist es in der Eltern­zeit nicht unmög­lich einen Kre­dit auf­zu­neh­men – nur etwas schwieriger.

  1. BAG, Urteil vom 12.01.2000 – 10 AZR 840/98 []
  2. BAG Urteil vom 15.04.2003 – 9 AZR 137/02 []
  3. BAG, Urteil vom 19.04.1995 – 10AZR 49/94 []