Bei der Beschäftigung werdender oder stillender Mütter hat der Arbeitgeber unabhängig vom Umfang der Beschäftigung die Vorschriften des Mutterschutzgesetzes sowie der Verordnung zum Schutze der Mütter am Arbeitsplatz zu beachten. Die hieraus für den Außendienst typischerweise zu beachtenden Punkte haben wir – ohne Anspruch auf Vollständigkeit im Einzelfall – nachfolgend zusammen gestellt.

Ist eine den Anforderungen des Mutterschutzes entsprechende Gestaltung der Arbeitsbedingungen nicht möglich oder wegen unverhältnismäßigen Aufwandes nicht zumutbar, ist zu prüfen, ob für die Zeit der Schwangerschaft ein Arbeitsplatzwechsel möglich ist. Ist auch dies nicht möglich oder nicht zumutbar, besteht ein Beschäftigungsverbot: Die schwangere oder stillende Mutter darf so lange nicht beschäftigt werden, wie dies zum Schutze ihrer Sicherheit
und Gesundheit erforderlich ist, selbst dann nicht, wenn die werdende Mutter ihre bisherige Tätigkeit fortsetzen will.

 

Schutz vor Lärm und Erschütterungen

§ 4 Abs. 1 MuSchG untersagt, Schwangere mit Arbeiten zu beschäftigen, bei denen sie schädlichen Einwirkungen von Erschütterungen oder Lärm ausgesetzt sind. Die Beschäftigung von Schwangeren in lärmgekennzeichneten Arbeitsbereichen ist daher grundsätzlich verboten.

Dabei ist von einer schädlichen Einwirkung durch Lärm auszugehen, wenn entweder

  • der Tages-Lärmexpositionspegel größer als 80 dB(A) ist oder
  • der Lärm unerwartete Impulse mit über 40 dB(A) Anstieg in 0,5 Sekunden (unzulässige Lärmspitzen) enthält.

 

Verbot der Fließarbeit

Schwangere Arbeitnehmerinnen dürfen nicht mit Fließarbeit oder mit taktgebundener Arbeit beschäftigt werden. Ebenfalls für Schwangere verboten sind alle Arbeiten, bei denen durch ein gesteigertes Arbeitstempo ein höheres Entgelt erzielt werden kann.

 

Arbeiten im Sitzen

Für im Sitzen durchzuführende Arbeiten ist der (werdenden) Müttern ein ergonomisch gestalteter Stuhl zur Verfügung zu stellen, der entsprehend der körperlichen Konstitution in Sitzhöhe und Rückenlehne eingestellt werden kann. Die Füße müssen beim Sitzen Kontakt mit dem Fußboden oder einer Fußauflage haben, bei Bedarf sind auch Fußstützen mit ganzflächigen Aufstellflächen für die Füße bereitzustellen.

 

Arbeitszeit

Schwangere sowie stillende Mütter dürfen nach § 8 Abs. 1 MuSchG

  • nicht über 8½ Stunden täglich (wobei als Arbeitszeit die Zeit von der Abfahrt an der Wohnung bis zur Heimkehr rechnet),
  • nicht in der Nacht – auch nicht bei Abendveranstaltungen! – also
    • in den ersten vier Schwangerschaftsmonaten zwischen 22:00 Uhr und 6:00 Uhr,
    • danach zwischen 20:00 Uhr und 6:00 Uhr,

    und

  • nicht an Sonn- und Feiertagen

beschäftigt werden.

 

Ruhemöglichkeiten

Erfordert die Tätigkeit von einer schwangeren Arbeitnehmerin ein Stehen oder Gehen, so muss sie jederzeit die Möglichkeit haben, sich auf einer geeigneten Sitzgelegenheit kurzfristig auszuruhen.

Darüber hinaus sieht § 6 Abs. 3 Arbeitsstättenverordnung vor, dass es schwangeren und stillenden Arbeitnehmerin zu ermöglichen ist, während der Pausen und soweit erforderlich auch während der Arbeitszeit sich auf einer Liege in einem geeigneten Raum hinzulegen und auszuruhen.

 

Schutz vor Gefahrstoffen

§ 4 Abs. 1 und § 6 Abs. 3 MuSchG sowie § 5 der Verordnung zum Schutze der Mütter am Arbeitsplatz untersagen die Beschäftigung einer Schwangeren oder einer stillenden Mutter bei Arbeiten mit bestimmten Gefahrstoffen.

So dürfen

  • bei Kontakt mit
    • sehr giftigen, giftigen, gesundheitsschädlichen oder
    • in sonstiger Weise den Menschen chronisch schädigenden Gefahrstoffen
  • Schwangere und stillende Mütter nur beschäftigt werden
    • sofern festgesetzte Grenzwerte nicht erreicht oder überschritten werden, wobei
    • der Arbeitgeber die Einhaltung der Grenzwerte nachweisen muss.

Wird die Mitarbeiterin

  • bei bestimmungsgemäßem Umgang
    • krebserzeugenden,
    • fruchtschädigenden oder
    • erbgutverändernden Gefahrstoffen ausgesetzt, so darf
  • eine Schwangere
    • mit dieser Arbeit überhaupt nicht beschäftigt werden und
  • eine stillende Mutter
    • nur beschäftigt werden, wenn die Einhaltung der Grenzwerte sichergestellt ist.

Soweit eine Arbeit zulässig ist, ist der Schwangeren oder stillenden Mitarbeiterin eine geeignete und zumutbare persönliche Schutzausrüstung zur Verfügung zu stellen. Bei der Schutzausrüstung sind alle Wege zu berücksichtigen, auf denen die Gefahrstoffe in den Körper gelangen könnten, also etwa auch eine Aufnahme über die Schleimhaut oder durch Einatmen. Der Umgang mit Gefahrstoffen, die in die Haut eindringen, setzt grundsätzlich voraus, dass die werdende Mutter keinen Hautkontakt mit den Gefahrstoffen hat oder als adäquater Hautschutz ein für den entsprechenden Gefahrstoff undurchlässiger Schutzhandschuh zur Verfügung steht.

Dieser Schutz vor Gefahrstoffen stellt weitreichende Anforderungen bei der Beschäftigung von werdenden oder stillenden Müttern. Beim Weichlötern werden Gefahrstoffe freigesetzt – und damit wird mit diesen Gefahrstoffen auch im Sinne des Mutterschutzrechts umgegangen. Hierzu gehören etwa

  • Cadmium und seine Verbindungen,
  • Blei und seine Verbindungen,
  • anorganische Zinnverbindungen,
  • Flussmittel und deren Pyrolyseprodukte sowie
  • Zersetzungsprodukte von Kunststoffisolationen, Verunreinigungen, Beschichtungen oder Klebstoffen.

Dabeit ist Art und Höhe der Belastung von einer Vielzahl von Faktoren abhängig, so etwa von

  • der Zusammensetzung der Lote,
  • der Löttemperatur,
  • bei Lötbädern der Badtemperatur,
  • der Ausstattung des Arbeitsplatzes und
  • der persönlichen Arbeitsweise.

Aufgrund der Richtlinie 2002/95/EG vom 27.01.2003 zur Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten (RoHS) bzw. aufgrund des zu deren Umsetzung in deutsches Recht erlassene Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG) dürfen seit dem 01.07.2006 Elektro- und Elektronikgeräte, die neu in Verkehr gebracht werden, kein Cadmium und kein Blei enthalten. Der Anhang der RoHS zählt jedoch eine Reihe von Verwendungen auf, die vom Blei- und Cadmiumverwendungsverbot ausgenommen sind, so dass blei- und cadmiumhaltige Lote weiterhin in der Elektronikindustrie eingesetzt werden.

Bleihaltige Lote

Blei und sämtliche Blei-Verbindungen sind Stoffe der Kategorien RE1 und RE3. Es sind Stoffe, die beim Menschen bekanntermaßen fruchtschädigend wirken (CLP-Einstufung 1A ) oder die wegen möglicher Beeinträchtigung der Fortpflanzungsfähigkeit des Menschen zur Besorgnis Anlass geben (CLP-Einstufung 2 ). Auch bei Einhaltung der bestehenden Luftgrenzwerte kann daher eine Fruchtschädigung nicht ausgeschlossen werden, wenn die Schwangere dem Umgang mit Blei und seinen Verbindungen ausgesetzt wird.

Zwar ist davon auszugehen, dass beim Weichlöten kein Blei verdampft, jedoch gelangt das Blei durch Aerosolbildung bei Schmelzprozessen und durch die Flussmittelverdampfung in die Atemluft gelangt und kann dann durch Einatmen (inhalativ) aufgenommen werden.

Auch entsteht am Arbeitsplatz Bleistaub durch den Abrieb an Lötdrähten und durch Lotrückstände am Lötkolben. Dieser Bleistaub kann mit der Nahrung aufgenommen werden.

Beim Umgang mit bleihaltigen Loten kann mithin die Gefahr der Aufnahme dieses krebserzeugenden Stoffs für die werdende Mutter nicht sicher ausgeschlossen werden. Für schwangere Arbeitnehmerinnen ist die Beschäftigung mit bleihaltigen Loten daher unzulässig.

 

Cadmiumhaltige Lote

Cadmium ist als krebserzeugender Stoffe der Kategorie 2 eingestuft (CPL-Einstufung 1B).  Cadmium darf allerdings nach wie vor in seltenen, in der Richtlinie 2002/95/EG zugelassenen Ausnahmefällen beim Löten eingesetzt. Aufgrund des hohen Dampfdrucks entstehen beim Löten mit cadmiumhaltigen Loten Cadmiumdämpfen. Der Umgang von schwangere Arbeitnehmerinnen mit cadmiumhaltigen Loten ist demzufolge ebenfalls unzulässig.

 

Flussmittel

Beim Löten werden als Flussmittel typischerweise Borax, Zinkchloride und andere Metallchloride, organische Säuren, Amine, Kolophonium und Hydrazin verwendet. Darüber hinaus finden auch noch Lösungsmittel und sogenannte AktivatorenVerwendung.  Die Flußmittel und ihre Aktivatoren stellen damit ein breit breit gestreutes Arsenal von Chemikalien dar, die teilweise toxische Eigenschaften aufweisen. Vor dem Umgang einer Schwangeren mit diesen Mitteln ist daher zunächst im Rahmen einer  Gefährdungsbeurteilung zu überprüfen, ob die Produkte gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe enthalten, die einen Umgang der Schwangeren hiermit ausschließen. Ausgangspunkt für diese Beurteilung können die Sicherheitsdatenblätter der Hersteller sein.

 

Kolophonium

Kolophonium, für das derzeit kein Grenzwert definiert ist, kann eine Sensibilisierung der Haut hervorrufen. Daneben werden beim Löten mit Kolophonium Harzsäuren und andere Zersetzungsprodukte in die Luft am Arbeitsplatz freigesetzt, die eine Sensibilisierungen der Atemwege verursachen können.  Die beim Erhitzen entstehende Zersetzungsprodukte sind teilweise – wie etwa das Formaldehy und das Acetaldehyd – Stoffe mit begründetem Verdacht auf krebserzeugendes Potential (K 3; CLP-Einstufung 2).

Zwar kann die Aldehydbelastung durch wirksame Absaugung des Lötrauchs direkt an der Entstehungsstelle weitgehend vermindert werden. Jedoch bildet der Lötkolben mit seiner Absaugeinrichtung kein geschlossenes System, so dass der Löter trotzdem noch dem Lötrauch mit seinen Zersetzungsprodukten ausgesetzt ist. Zur Vermeidung von Risiken für die werdende Mutter sollten daher Lötarbeiten unter Verwendung von Kolophonium als Flussmittel vermieden werden.

 

Zersetzungsprodukte

Löten ist nicht immer eine „saubere“ Angelegenheit, teilweise werden hierbei Kunststoffisolationen, Beschichtungen oder auf dem Werkstück vorhandene Verunreinigung wie etwa Klebstoffe geschmolzen oder verbrannt, wobei gesundheitsschädliche Zersetzungsprodukte (so u.a. auch Dioxine) entstehen können.

Daher ist es auszuschließen, dass werdende oder stillende Mütter an Lötarbeitsplätzen arbeiten, an denen Kunststoffisolationen, Beschichtungen oder Verunreinigungen mit dem Lötkolben erwärmt oder geschmolzen werden.

beim Umgang mit bleihaltigen Loten

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