Ein Vor­na­men fürs Leben

Eltern haben für ihr Kind nicht nur ein Namens­be­stim­mungs­recht, son­dern auch ein Namens­er­fin­dungs­recht. Die­ses Recht darf nicht gegen das Kin­des­wohl ver­sto­ßen. Der Name darf nicht anstö­ßig, gro­tesk oder lächer­lich wir­ken und nicht zu einer Dis­kri­mi­nie­rung des Kin­des füh­ren. Die­se Gefahr besteht bei dem Namen „Frie­den Mit Gott Allein Durch Jesus Chris­tus”.

Mit die­ser Begrün­dung hat das Land­ge­richt Bre­men in dem hier vor­lie­gen­den Fall ent­schie­den, den Namen „Frie­den Mit Gott Allein Durch Jesus Chris­tus” nicht in das Per­so­nen­stands­buch ein­zu­tra­gen1. Nach Mei­nung des Land­ge­richts kann der Gebrauch eines Namens, der mehr einem Glau­bens­be­kennt­nis ent­spricht, zu Miss­ver­ständ­nis­sen und Miss­deu­tun­gen bei ande­ren füh­ren. Denn die Gesell­schaft der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land wird wesent­lich nicht von reli­giö­sen Emp­fin­dun­gen bestimmt. Der Kon­takt des betrof­fe­nen Kin­des wird sich nicht auf reli­gi­ös gleich Emp­fin­den­de beschrän­ken las­sen.

Ande­rer­seits hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt2 in einem ande­ren Fall eine Namens­än­de­rung vor dem Hin­ter­grund der in Art. 4 Abs. 1 GG ver­bürg­ten Glau­bens­frei­heit zuge­stimmt. Danach hat das öffent­li­che Inter­es­se an der Vor­na­mens­kon­ti­nui­tät zurück­zu­tre­ten, wenn ein Kind aus reli­giö­ser Über­zeu­gung sei­nem Vor­na­men einen ihm als „Tauf­na­men” bei­gege­be­nen Vor­na­men vor­an­stel­len will. 1987 in der dama­li­gen Deut­schen Demo­kra­ti­schen Repu­blik gebo­ren, erhielt das Kind den Vor­na­men „Sera­phi­ne”. Sie wur­de 1997 mit den Vor­na­men „Sera­phi­ne, Kaj” nach römisch-katho­li­schem Ritus getauft. Nun soll­te dem Vor­na­men des Kin­des der wei­te­re Vor­na­me „Kaj” vor­an­ge­stellt wer­den. Als Begrün­dung wur­de auf die Ritua­le und übli­chen Vor­ge­hens­wei­sen bei der Tau­fe ver­wie­sen. So exis­tie­ren mehr als eine Samm­lung aus­ge­wähl­ter Tauf­sprü­che, aus denen man sich einen Tauf­spruch aus­su­chen kann. Außer­dem ist es Bestand­teil des Ritu­als, dass dem Täuf­ling min­des­tens ein Pate zur Sei­te gestellt wird. Nach dem Namen des Paten bzw. eines Eltern­teils wird auch oft der Tauf­na­me aus­ge­sucht. In die­sem Fall ist der Vor­na­me „Kaj” eine Kurz­form des Namens „Katha­ri­na”, des reli­giö­sen Ursprungs­na­mens des Vor­na­mens der Mut­ter „Kat­rin”. Die Wahl eines Tauf­na­mens sei Bestand­teil der Prak­ti­zie­rung des reli­giö­sen Glau­bens. Mit der Tau­fe fin­det die Auf­nah­me in die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft statt. Sie gilt als ers­tes wich­ti­ges Sakra­ment, das beson­ders gefei­ert wird. Nicht nur die Fami­lie und Freun­de wer­den ein­ge­la­den, son­dern es wer­den auch vie­le Geschen­ke und wei­te­re Glück­wün­sche zur Tau­fe ent­ge­gen genom­men.

Nach Auf­fas­sung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts3 umfasst die in Art. 4 Abs. 1 GG gewähr­leis­te­te Glau­bens­frei­heit nicht nur die inne­re Frei­heit zu glau­ben oder nicht zu glau­ben, son­dern auch die äuße­re Frei­heit, den Glau­ben zu mani­fes­tie­ren, zu beken­nen und zu ver­brei­ten. Ver­bin­det der Gläu­bi­ge mit der Tau­fe eine sich auch im bei­gege­be­nen Vor­na­men mani­fes­tie­ren­de Bezie­hung zur reli­giö­sen Über­zeu­gung, so lie­gen bei einer Vor­an­stel­lung des „Tauf­na­mens” wich­ti­ge Grün­de für eine Namens­än­de­rung vor.

eff582e40e9d4d8981868c730ea3cf2e - Ein Vornamen fürs Leben
  1. LG Bre­men, Beschluss vom 06.07.1995 – 2 T 359/95 []
  2. BVerwG, Urteil vom 26.03.2003 – 6 C 26.02 []
  3. BVerwG, Urteil vom 26.03.2003 – 6 C 26.02 []